Jedes Antlitz mehr ist als eine Summe von Merkmalen
In einer Zeit, in der Gesichter millionenfach digital erfasst und analysiert werden, erinnert uns die diesjährige Kunstausstellung der Sparkasse daran, dass jedes Antlitz mehr ist als eine Summe von Merkmalen. Es handelt sich um Werke von 15, vornehmlich jungen Künstlerinnen und Künstlern, von denen sieben aus der Europaregion Tirol stammen.
In einer Welt, in der Gesichter auf Bildschirmen flüchtig aufleuchten und ebenso schnell wieder verschwinden, setzt ANTLITZ dem ein Innehalten entgegen und richtet unseren Blick auf ein gemaltes Gesicht, das über den Moment hinaus Gültigkeit haben kann.
Franziska Maderthaner
Franziska Maderthaner hat an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert und schöpft für ihre Malereien aus einem reichen persönlichen Bildarchiv. Dabei mischt die Künstlerin verspielt kunstgeschichtliche Motive mit alltäglichen Begebenheiten.
Melanie Thöni
Melanie Thöni studiert aktuell an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ihr malerisches Werk besticht durch eine unverwechselbare figurative Bildsprache mit wiedererkennbarer Handschrift und feministischer Grundhaltung. Die junge Tiroler Künstlerin hat Stil und Themen ihrer Kunst bereits gefunden. Gerne widmet sie sich Motiven aus einer ländlichen, oft männlich dominierten Tradition, um althergebrachten Bildern frische, gegenwärtige Malereien entgegenzusetzen. Uns begegnen junge, selbstbewusste Frauen, die den direkten Blickkontakt nicht scheuen und Rollen übernehmen, die in der Vergangenheit oft Männern zugeschrieben wurden.
Nana Mandl
Sind diese Bilder Malereien? Sie wirken wie gemalt, doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sie sich als aufwendig gestaltete Collagen. Die Künstlerin Nana Mandl – sie hat an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee und an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert – erschafft präzise komponierte Werke aus textilem Material und per Hand ausgeführte Stickereien. Die farbintensiven, handwerklich kunstvoll umgesetzten Menschenporträts sind von digital gesammelten Motiven inspiriert und können als bewusster Gegenpol zur glatten Pixelwelt gesehen werden
Gotthard Bonell
Der Südtiroler Maler Gotthard Bonell – er hat an den Kunstakademien in Venedig und Mailand (Brera) studiert – richtet den Blick nach innen, er ergründet seine Leidenschaften und Ängste. Dann malt er wieder altmeisterliche Porträts, etwa das empfindsame Bildnis seiner Tochter.
Paolo Vallorz
Paolo Vallorz studierte an der Accademia di Belle Arti in Venedig und anschließend an der Accademia Libera della Grande Chaumière in Paris. Sein malerisches Werk ist von einem tief empfundenen Interesse am Menschen geprägt. Vallorz beschreibt das Gesicht als zentrales, ausdrucksstärkstes Motiv: „Ich versuche, die Emotion zu malen, die ich im Menschen sehe."
Elisa Rungger
Elisa Rungger ist eine ladinische Künstlerin, die sich mit der menschlichen Existenz und ihrem Verhältnis zur Realität auseinandersetzt. Sie lebt und arbeitet zwischen Wolkenstein und Karlsruhe, wo sie an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste studiert. In ihren Bildern kombiniert sie klassische Motive aus der Genremalerei des 15. Jahrhunderts und dem amerikanischen Realismus mit einer zeitgenössischen Formensprache. Durch die verfremdete, surreal anmutende Darstellung alltäglicher Szenen erzeugt sie eine ambivalente Atmosphäre zwischen Nähe und Fremdheit, Vertrautem und Unbekanntem.
Xenia Hauser
Das malerische Werk der Künstlerin Xenia Hausner –Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien und an der Royal Academy of Dramatic Art in London – ist von einer geheimnisvollen Doppeldeutigkeit geprägt. Mit handwerklicher Finesse verleiht sie ihren ausdrucksstarken, selbstbewussten Protagonistinnen – die Künstlerin malt fast ausschließlich Frauen – Bildwürdigkeit, hält einen scheinbar flüchtigen Augenblick malerisch fest und lässt das Gemälde zur Bühne werden.
Thomas Thyrion
Die Malerei von Thomas Thyrion kann als altmeisterlich bezeichnet werden. „Um etwas Neues zu machen, muss man die Geschichte kennen“, glaubt der belgische Künstler, der in Brüssel und Wien studiert hat. Oft setzt er junge Menschen in Szene, schlafend oder ruhend. Plastisch beleuchtet scheinen sie in Gedanken versunken, auch abwesend oder entrückt, einem anderen Zeit- und Raumgefühl folgend. Ihr Tun ist wie eingefroren, als ob sie innehalten, vielleicht auf etwas warten. Fragil und in sich gekehrt treten sie nicht mit uns in Kontakt, verweigern eine Kommunikation. Distanzierte, unnahbare Menschenbilder, aber doch auch von berührender Intimität.
Sehen Sie sich das Video samt Interviews an!
Die Auseinandersetzung mit dem Menschen und seiner Darstellbarkeit ist seit jeher eine der wesentlichen Antriebsfedern und Themen der bildenden Kunst. Schauen Sie sich das Video samt Interviews an.